Die
Praxisgebühr wurde mit dem Krankenversicherungs-Modernisierungs-Gesetz ab 2004 eingeführt.
Seitdem zahlt jeder, der einen Arzt, Zahnarzt, Psychotherapeuten oder den Notdienst
zur Behandlung aufsucht, einmal im Quartal 10 Euro. Vordergründig wurde die Praxisgebühr
erfunden, um die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken, damit sie
nicht bei jeder Bagatelle zum Arzt rennen. In Wirklichkeit erhoffte man sich finanzielle
Mehreinnahmen von etwa 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Und tatsächlich bringt die Praxisgebühr etwa 2 Milliarden Euro im Jahr, wenn man Härtefälle, Zahlungsausfälle und
Verwaltungskosten berücksichtigt. Die Gebühr wird mit dem Honorar
verrechnet, das zum Quartalsende abgerechnet wird. Sie ist also
eine Art Honorar-Vorschuss.
2003 gab es
durchschnittlich rund 18 Arztkontakte je gesetzlich Versichertem.
2004 waren
es etwas mehr als 16 Arztkontakte. Ein deutlicher Rückgang, aber vor allem
durch Vorzieh-Effekte verursacht. Wer regelmäßig Medikamente brauchte und
wusste, dass 2004 die Praxisgebühr zu zahlen war, holte sich Ende 2003 noch
schnell das Rezept und die Medikamente für mindestens ein Quartal 2004. Dadurch stiegen die Arztkontakte im vierten Quartal 2003 stark an und verminderten sich entsprechend in den ersten beiden Quartalen 2004.
In der
Folgezeit stiegen die Arztkontakte wieder. Von knapp 17 im Jahr 2005 über
diverse Schwankungen bis knapp 18 im Jahr 2010. Manche "Experten" behaupten sogar, die Patienten betrachten die Praxisgebühr mittlerweile als Quartals-Flatrate: Einmal bezahlt, unbegrenzt zum Arzt. Jedenfalls sind wir wieder da, wo
wir vor der Einführung der Praxisgebühr waren und können konstatieren:
Einen echten Steuerungseffekt gab es nie, nur einen kurzzeitigen Vorzieheffekt. Aber: Die
Praxisgebühr bringt Jahr für Jahr etwa 2 Milliarden Mehreinnahmen für die GKV.
Auf die 2 Milliarden Praxisgebühr jährlich könnte man verzichten, wenn man den Versprechen der Politiker trauen dürfte. Man hat ja reichlich Überschüsse im Gesundheitsfonds und Rücklagen bei den Krankenkassen. Dann müsste aber die Reserve im
Gesundheitsfonds unangetastet bleiben, der Staatszuschuss dürfte nicht gekürzt
werden und die Krankenkassen dürfen nicht zur Prämienauszahlung gezwungen
werden. Denn - siehe meinen vorherigen Blog - mehr als 2 Milliarden sollte man
den Gesundheitspolitikern nicht als Spielgeld überlassen. Ist es mehr, gibt es
folgende Risiken und Nebenwirkungen: Gesundheitspolitiker gefährden die
Krankenversicherung ihrer Wähler.
Übrigens: Jüngere
Männern gehen rund 8 x im Jahr zum Arzt, jüngere Frauen rund 15 x.
Betagte beiderlei
Geschlechts (?) haben rund 35 Arztkontakte pro Jahr.
