Freitag, 7. September 2012

Krankenkassen-Reserven: Ein Drei-Stufen-Plan


Wenn aus politischen Gründen die derzeitigen Reserven der Krankenkassen angegriffen werden sollen, wäre es an der Zeit, 
drei Baustellen in Angriff nehmen:

1. Paritätische Beiträge wieder einführen
Seit Bismarck 1883 zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Krankenversicherung-Beiträge gemeinsam. Viele Jahrzehnte davon paritätisch, also jeweils zur Hälfte. Das war eines der Grundprinzipien der deutschen Sozialversicherung. 2005 war Schluss mit diesem Grundprinzip. Seit Juli 2005 wird den Arbeitnehmern und Rentnern ein zusätzlicher Beitrag von 0,9 Prozent abverlangt. Zusätzlich zu den Zuzahlungen für Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, Fahrtkosten, Zahnersatz, stationäre Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte und die Praxisgebühr.

2011 nahmen die Kassen fast 170 Milliarden Euro aus Beiträgen ein (http://goo.gl/IDXqn). Damit entspricht ein Zehntel Beitragspunkt rund 1,1 Milliarden Euro. Die von den Arbeitnehmern alleine aufgebrachten 0,9 Prozent entsprechen knapp 10 Milliarden Euro pro Jahr.

Hier wäre für sozial denkende und handelnde Politiker eine Gelegenheit, durch paritätische Beitragszahlung die gesellschaftliche Solidarität wieder herzustellen. Oder zumindest den Abstand zu verringern.

2. Wettbewerb durch Leistungen
Nicht alle der immer noch rund 160 Krankenkassen haben gleich viel Geld auf der hohen Kante. Wenn den einzelnen Kassen mehr Freiraum bei echten Leistungsverbesserungen eingeräumt würde (und nicht nur Kosmetik), könnte das für deutlich mehr Wanderungsbewegungen unter den gesetzlichen Krankenkassen sorgen. Dadurch würden etliche Kassen schneller vom „Markt“ verschwinden und die von der Politik angepeilte Reduzierung auf 30 bis 50 Krankenkassen würde schneller erreicht.

Man könnte den Kassen zum Beispiel erlauben, per Satzungsregelung 5 Prozent ihrer derzeitigen Leistungsausgaben zusätzlich für Leistungsverbesserungen und zusätzliche Leistungen in Medizin und Versorgung auszugeben.

3. Die Praxisgebühr abschaffen
Das brächte den Versicherten zwei Milliarden Euro pro Jahr.
http://spammerl.blogspot.de/2012/05/praxisgebuhr-flatrate-oder.html